Katrin Kogman-Appel

Jüdische Studien

Was verrät die jüdische Buchmalerei des Mittelalters über das jüdische Gemeindeleben dieser Zeit? In welchem Austausch stand die jüdische Bild- und Buchkultur mit christlichen und islamischen Kulturen? Die Judaistin Katrin Kogman-Appel gilt in der jüdischen Kunstgeschichte des Mittelalters als weltweit führend. Dabei versteht sie die Kunstgeschichte als Kulturgeschichte – und verbindet sie stets mit sozialhistorischen und religionsgeschichtlichen Fragen. Als exemplarisch für diesen Ansatz gelten Kogman-Appels Arbeiten zum sogenannten Leipziger Machsor, eine Sammlung von Gebeten für jüdische Festtage und eines der berühmtesten Beispiele der hebräischen Buchmalerei des Mittelalters. Das Gebetbuch entstand um 1310 in Südwestdeutschland und befand sich nachweislich im 16. Jahrhundert in Worms. Kogman-Appel lenkt den Fokus auf die Rolle des Machsor und der dargestellten Riten für das spätmittelalterliche jüdische Gemeindeleben und den sozialen Zusammenhalt innerhalb der jüdischen Gemeinde im südwestdeutschen Worms, einem damaligen Zentrum des Judentums in Deutschland. Mit dieser Hinwendung zum weiteren kulturellen Kontext wirkt Kogman-Appel über die Judaistik hinaus bis in die Mittelalterforschung allgemein. An der Universität Münster soll sie die interdisziplinäre geisteswissenschaftliche Forschung stärken. Als Alexander von Humboldt-Professorin soll sie insbesondere zur Etablierung der Judaistik neben den bestehenden Forschungen zum Christentum und Islam in Münster beitragen.

Nominierende Universität: Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Katrin Kogman-Appel

1958 in Österreich geboren, ist Full Professor, Prodekanin und Inhaberin des „Evelyn Metz Memorial Research Chair“ an der Ben-Gurion University of the Negev in Beer-Sheva, Israel. Katrin Kogman-Appel wechselte bereits nach Studium und Promotion in Wien in den 1980er Jahren erstmals nach Israel an die Hebrew University in Jerusalem. Nach Stationen an der University of Pittsburgh, USA, und der Universidad Hebraica, Mexiko, kam sie 1996 zunächst als Lecturer an die Ben-Gurion University. Kogman-Appel war Gastforscherin am Institute for Advanced Studies der University of Princeton, USA. Sie sitzt im redaktionellen Beirat verschiedener Fachzeitschriften, darunter Ars Judaica, und gehört der European Association of Jewish Studies und der Medieval Academy of America an. Im November 2015 trat sie ihre Humboldt-Professur an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster an.