Judith Pfeiffer

Islamwissenschaften

Was bedeutet es für eine Religionsgemeinschaft, wenn sie neue Mitglieder aufnimmt? Welche Prozesse werden durch Glaubenswechsel und Religionsübertritte ausgelöst? Fragen wie diese klingen aktueller denn je. Wie sehr sie die Menschheitsgeschichte begleiten, zeigen die Arbeiten der Islamwissenschaftlerin Judith Pfeiffer. Sie gilt als weltweit führende Spezialistin für die Geschichte der Mongolen vom 13. bis 16. Jahrhundert und die Geistesgeschichte der mongolischen Reiche im islamischen Osten, vom Iran über Syrien, Anatolien bis zum Irak. Pfeiffer befasst sich dabei unter anderem mit der Konversion der eingewanderten Mongolen und Herrscher zum Islam. Dazu wertet sie persische, arabische und osmanische Textquellen aus und bettet sie in den weiteren historischen und gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehungszeit ein. Pfeiffer beschränkt sich dabei nicht auf die Frage, wie der Übertritt zum Islam die Lebensweise der Mongolen veränderte. Sie arbeitet in ihren Forschungen zugleich heraus, wie die Konvertiten ihre neue Religion beeinflussten und der islamischen Theologie neue Anstöße gaben, die sich bis in die Bereiche Politik und Recht auswirkten. Mit einer Alexander von Humboldt-Professur für Judith Pfeiffer möchte die Universität Bonn ihren Schwerpunktforschungsbereich in der Historischen Islamwissenschaft weiter stärken und um die Forschungsgebiete Iran und Zentralasien erweitern.

Nominierende Universität: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Prof. Dr. Judith Pfeiffer

wurde 1964 in Deutschland geboren, wo sie an der Universität zu Köln studierte. Anschließend wechselte sie in die USA an die University of Chicago. Dort wurde sie nach einem Aufenthalt als Promotionsstudentin am Deutschen Orient-Institut Istanbul, Türkei, 2003 promoviert. Von Chicago wechselte Judith Pfeiffer an die University of Oxford in Großbritannien, wo sie derzeit als Associate Professor tätig ist. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter einen ERC Starting Grant des europäischen Forschungsrats und ein Research Fellowship der Stadt Paris am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris. Im Oktober 2016 trat sie ihre Humboldt-Professur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn an.